
Der EU AI Act stellt einen Wendepunkt in der Regulierung von künstlicher Intelligenz dar. Insbesondere für Unternehmen, die High-Risk-KI-Systeme entwickeln oder einsetzen, sind die neuen Vorschriften von entscheidender Bedeutung. Die Erfüllung der Anforderungen ist nicht nur eine gesetzliche Pflicht, sondern auch ein entscheidender Faktor für das Vertrauen von Kunden und Partnern. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen, welche Kernpflichten Sie beachten müssen, um den EU AI Act zu erfüllen.
Was sind High-Risk-KI-Systeme laut EU AI Act?
Der EU AI Act klassifiziert KI-Systeme nach ihrem Risikopotenzial. Als hochriskant (High-Risk) gelten Systeme, deren Einsatz ein hohes Risiko für die Gesundheit, Sicherheit oder die Grundrechte von Personen darstellen kann. Dazu gehören KI-Anwendungen in kritischen Bereichen wie:
- Medizinprodukte und kritische Infrastrukturen
- Zulassung und Bewertung von Bildungseinrichtungen
- Personalmanagement (z.B. bei der Bewerberauswahl)
- Kreditwürdigkeitsprüfungen
- Strafverfolgung und Justiz
Wenn Ihr Unternehmen in einem dieser oder ähnlich sensiblen Sektoren tätig ist, ist es sehr wahrscheinlich, dass Sie die strengen Anforderungen für High-Risk-KI-Systeme erfüllen müssen.
Die 6 Kernpflichten für Unternehmen mit High-Risk-KI-Systemen
Die KI-Verordnung legt einen klaren Rahmen für den Umgang mit Hochrisiko-Systemen fest. Im Zentrum stehen sechs Kernpflichten, die über den gesamten Lebenszyklus der KI-Anwendung eingehalten werden müssen.
1. Umfassendes Risikomanagement etablieren
Unternehmen müssen einen systematischen und kontinuierlichen Risikomanagementprozess implementieren. Das bedeutet, Sie müssen potenzielle Risiken für Grundrechte, Gesundheit und Sicherheit, die von Ihrem KI-System ausgehen, systematisch identifizieren, bewerten und Maßnahmen zur Minderung dieser Risiken ergreifen. Dieser Prozess muss dokumentiert und regelmäßig aktualisiert werden.
2. Datenqualität und Data Governance sicherstellen
Die Qualität der Trainings-, Validierungs- und Testdaten ist entscheidend für die Leistung und Fairness eines KI-Systems. Der AI Act verlangt, dass die verwendeten Datensätze relevant, repräsentativ und frei von Fehlern und verzerrenden Verzerrungen (Bias) sind. Eine klare Data Governance, die die Herkunft und Verarbeitung der Daten dokumentiert, ist unerlässlich.
3. Lückenlose technische Dokumentation führen
Sie müssen eine umfassende technische Dokumentation erstellen, bevor das System auf den Markt kommt. Diese muss alle notwendigen Informationen enthalten, damit Behörden die Konformität mit den Vorschriften prüfen können. Dazu gehören Details zur Funktionsweise des Systems, zu den verwendeten Algorithmen, den Daten und den Ergebnissen der Risikobewertung.
4. Transparenz und Informationspflichten für Nutzer
Hochrisiko-KI-Systeme müssen so gestaltet sein, dass Nutzer ihre Funktionsweise verstehen und nachvollziehen können. Sie müssen klare und verständliche Gebrauchsanweisungen bereitstellen, die über die Fähigkeiten, Grenzen und potenziellen Risiken des Systems informieren. Es muss immer ersichtlich sein, wenn eine Person mit einem KI-System interagiert.
5. Effektive menschliche Aufsicht gewährleisten
Kein High-Risk-KI-System darf vollständig autonom agieren. Es muss eine effektive menschliche Aufsicht möglich sein. Das bedeutet, dass qualifizierte Personen in der Lage sein müssen, die Arbeit des Systems zu überwachen, seine Ergebnisse zu interpretieren und bei Bedarf korrigierend einzugreifen oder das System abzuschalten.
6. Robustheit, Genauigkeit und Cybersicherheit garantieren
Das KI-System muss ein hohes Maß an technischer Robustheit und Genauigkeit aufweisen. Es muss widerstandsfähig gegenüber Fehlern und Inkonsistenzen sein und auch unter Druck zuverlässig funktionieren. Ebenso wichtig ist ein starkes Cybersicherheitskonzept, das das System vor unbefugten Zugriffen und Manipulation schützt.
Welche Strafen drohen bei Nichteinhaltung des AI Acts?
Die Missachtung der Vorschriften des EU AI Act kann für Unternehmen sehr kostspielig werden. Die vorgesehenen Sanktionen sind empfindlich und sollen eine abschreckende Wirkung haben. Bei Verstößen gegen die Anforderungen für High-Risk-KI-Systeme drohen Geldbußen von bis zu 30 Millionen Euro oder 6 % des weltweiten Jahresumsatzes des Unternehmens – je nachdem, welcher Betrag höher ist. Neben den finanziellen Folgen kann auch ein Verbot des Marktzugangs oder der Stilllegung des Systems verhängt werden.
Fazit: Proaktive Compliance als Wettbewerbsvorteil
Die Erfüllung der Anforderungen des EU AI Act für High-Risk-KI-Systeme ist eine komplexe, aber notwendige Aufgabe. Unternehmen sollten die neuen Regeln nicht als Belastung, sondern als Chance sehen. Ein proaktiver Ansatz zur Compliance sichert nicht nur die Rechtssicherheit, sondern stärkt auch das Vertrauen der Nutzer und kann zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil in einem wachsenden KI-Markt werden. Beginnen Sie frühzeitig mit der Implementierung der notwendigen Prozesse, um für die Zukunft der KI gerüstet zu sein.
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